Hort-Kinder finden Barrieren und wollen sie abbauen

Der Gehweg ist nicht barrierefrei und um Flaschen einzuwerfen, brauchen Rolli-Fahrende einen "Verlängerungsarm".
Schon zu zweit ist diese Rampe schwer zu bewältigen.
Ohne die Hilfe des Fahrers geht es nicht.

Die Kinder aus Haar machten sich vor Kurzem auf den Weg, Barrieren zu finden, die Menschen mit Behinderung das Leben schwer machen. Anlass für diesen Projekttag ist die laufende Aktionswoche rund um den europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Der Protesttag am 5. Mai 2022 und die Aktionswoche tragen das Motto der Aktion Mensch: "Tempo machen für Inklusion - barrierefrei zum Ziel".

Weil auch wir von FortSchritt die Inklusion vorantreiben wollen, starteten wir das Projekt "Barriere-FINDer" letzte Woche in Haar. Dieses richtet sich an Vorschul- und Hort-Kinder in verschiedenen Gemeinden. Unterstützt wird es durch ein ehrenamtliches Team von Menschen mit Behinderung. Sie beantworteten nicht nur alle Fragen, die die Kinder zum Leben mit verschiedenen Behinderungen hatten. Sie kommentierten auch die verschiedenen Lebensweisen, die sich mit einer Behinderung ergeben.

Mina interessierte beispielsweise: "Wie erkannt man, wenn man blind ist, welche Farbe etwas hat?"  Alex, die auf einem Auge blind ist, erklärte: "Es gibt ein Gerät, welches man an den Gegenstand halten kann und das sagt einem dann, welche Farbe der Gegenstand hat." Hätten Sie das gewusst? 

Nach dem theoretischen Teil probierten die Kinder selbst aus, an welche Grenzen sie im öffentlichen Raum stoßen, wenn sie im Rollstuhl sitzen. Dazu wechselten sich immer zwei Kinder in einem Rollstuhl ab. Auf zwei unterschiedlichen Routen und in zwei Gruppen suchten sie nach Barrieren in Haar. Ein buntes T-Shirt mit einer Barriere-Ampel zeichnete sie als Barriere-FINDer aus.

Die Rampe im Bus war beispielsweise ein unüberrwindbares Problem. Außerdem erfuhren die Interessierten, dass aus Sicherheitsgründen immer nur zwei Rollstuhlfahrer*innen gleichzeitig im Bus mitfahren können.

Vorschläge, wie sie mit den gefundenen Barrieren umgehen oder diese beheben könnten, diskutierten die Kinder im Anschluss. Den Muskelkater in den Armen, den das ungewohnte Rollstuhlfahren mit sich bringt, spürten sie erst am nächsten Tag. Die Barrieren, die die Kinder auf ihren Routen markiert haben und ihre Änderungsvorschläge werden sie demnächst dem Bürgermeister von Haar, Andreas Bukowski, übergeben. Er freut sich sehr über das Projekt betonte er zum Startschuss bei einem persönlichen Besuch in der Kindertagesstätte.

Wir von FortSchritt wünschen uns, dass sich mit der Barriereampel als Teil des Barriere-FINDers, sowohl bauliche Hindernisse als auch Barrieren im Kopf zu verringern.