Pädagogik beginnt bei uns selbst

Was macht gute Pädagogik aus? Fachwissen, Erfahrung und Methoden sind wichtige Grundlagen. Doch mindestens genauso entscheidend ist die Bereitschaft, sich selbst immer wieder zu hinterfragen. Mit genau diesem Gedanken stand der zweite Pädagogische Klausurtag von FortSchritt Bayern im beccult in Pöcking unter dem Titel „Pädagogik trifft Biografie“.

Rund 45 Leitungskräfte aus den knapp 35 Einrichtungen des inklusiven Trägers kamen am Donnerstag, 18.06.2026 zusammen, um gemeinsam einen Tag zu erleben, der weit über eine klassische Fortbildung hinausging. Begleitet wurde der Klausurtag von der Referentin Maria Mattukat, die die Teilnehmenden mit viel Einfühlungsvermögen, Leichtigkeit und fachlicher Tiefe durch den Tag führte.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die eigene Lebensgeschichte das pädagogische Handeln prägt. Denn jede*r bringt Erfahrungen, Werte, Erwartungen und innere Bilder mit – oft unbewusst. Diese beeinflussen, wie wir Kindern begegnen, Entscheidungen treffen oder Herausforderungen erleben.

Dabei entstand ein geschützter Raum, in dem niemand etwas von sich preisgeben musste. Gleichzeitig war jede*r eingeladen, sich auf die eigene Biografie einzulassen und sich selbst zu reflektieren. Theorie, Austausch und intensive Selbstreflexion wechselten sich ab und machten den Tag gleichermaßen persönlich wie praxisnah.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den unterschiedlichen Rollen, die Menschen täglich einnehmen: Kolleg*in, Führungskraft, Partner*in, Elternteil oder Freund*in. Welche Erwartungen sind mit diesen Rollen verbunden? Wo verlieren wir Kraft und Energie? Wo erleben wir Stärke? Und vor allem: Wer sind wir eigentlich außerhalb dieser Rollen? Diese Fragen eröffneten neue Perspektiven auf das eigene Handeln und stärkten das Bewusstsein für die eigenen Ressourcen.

Ebenso wurde der Blick auf die eigene Kindheit gelenkt. Die Teilnehmenden reflektierten, welche Erfahrungen sie selbst geprägt haben und wie sehr sich die Lebenswelt heutiger Kinder von der eigenen unterscheidet. Was früher selbstverständlich war, ist heute oft nicht mehr vergleichbar. Gerade deshalb braucht es pädagogische Fachkräfte, die sich ihrer eigenen Prägungen bewusst sind und Kindern offen, wertschätzend und ohne vorschnelle Bewertungen begegnen.

Besonders eindrücklich waren die praxisnahen Übungen zur Beziehungsgestaltung mit Kindern. Sie regten dazu an, die eigene Wahrnehmung bewusst zu hinterfragen: Welche Kinder fallen mir als Erstes ein? Welche vielleicht zuletzt? Warum ist das so? Welche Gefühle oder Erfahrungen verbinde ich mit ihnen? Solche Reflexionsfragen helfen dabei, jedes Kind wieder ganz individuell wahrzunehmen und den eigenen Blick immer wieder neu auszurichten.

Für FortSchritt Bayern gehört diese Haltung seit vielen Jahren zum pädagogischen Selbstverständnis. Menschen werden nicht auf Defizite reduziert, sondern in ihrer Persönlichkeit wahrgenommen. Wer Kinder auf ihrem Weg begleiten möchte, muss deshalb auch bereit sein, sich selbst immer wieder weiterzuentwickeln.

Der Klausurtag war deshalb weit mehr als eine einmalige Fortbildung. Die Leitungsteams erhielten zahlreiche Methoden, Reflexionsimpulse und praktische Werkzeuge an die Hand, um die Inhalte nun in ihre eigenen Einrichtungen mitzunehmen und gemeinsam mit ihren Teams weiterzuführen. Denn eine reflektierte pädagogische Haltung entsteht nicht an einem einzigen Tag, sie wächst im gemeinsamen Austausch und wird Teil des pädagogischen Alltags. So profitieren langfristig nicht nur die teilnehmenden Leitungskräfte, sondern alle Mitarbeitenden in den FortSchritt-Einrichtungen und vor allem die Kinder und Familien, die sie täglich begleiten.

Das abschließende Gruppenfoto mit Geschäftsführerin Tatijana von Quadt auf der sommerlichen Wiese – viele im gemeinsamen FortSchritt-Teamshirt – machte sichtbar, was diesen Tag geprägt hat: Zusammenhalt, Offenheit und die gemeinsame Überzeugung, dass gute Pädagogik immer bei den Menschen beginnt, die Kinder begleiten.

Denn wer sich selbst besser versteht, kann Kinder bewusster, einfühlsamer und sicherer begleiten. Genau dieses Verständnis trägt FortSchritt Bayern nun Schritt für Schritt in alle knapp 35 Einrichtungen, als gemeinsame Haltung, die den pädagogischen Alltag nachhaltig prägt und Kindern eine Umgebung schenkt, in der sie sich geborgen fühlen und selbstbestimmt entwickeln können.