Wir alle kennen vermutlich den Ausdruck: „Mit Händen und Füßen reden.“ Er suggeriert, dass Gestik eine universelle Sprache ist, die überall auf der Welt gleich verstanden wird. Doch das stimmt so nicht. Gesten können, je nach kulturellem Kontext, ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Ähnlich verhält es sich mit der Gebärdensprache:
Auch sie ist keine universelle Sprache, sondern unterscheidet sich von Land zu Land. Jede Lautsprache hat in der Regel eine eigene, eigenständige Gebärdensprache mit eigener Grammatik und Struktur. Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist seit 2002 als eigenständige Sprache anerkannt.
Bei FortSchritt versuchen wir die Kinder schon ab dem Krippenalter an die Gebärdensprache heranzuführen. So hat zum Beispiel, im Rahmen des Inklusionsfestes unser Kinderhaus in Landsberied eine Einführung in die Gebärdensprache angeboten, unter anderem mit einem Lied und Büchern, die mit Gebärden begleitet wurden. Unsere Kollegin Sandra Malow vom heilpädagogischen Fachdienst im Kinderhaus Landsberied hatte selbst vor längerer Zeit einen Kurzworkshop zum Thema Gebärden besucht und in der Vergangenheit ein Kind mit Cochlea-Implantaten begleitet. Auch Stefanie Quadflieg berichtet, dass in der FortSchritt Kinderkrippe in Gilching seit einem halben Jahr gebärdenunterstützte Kommunikation fest im Krippenalltag verankert ist. Diese Form der Kommunikation fördert den Spracherwerb bei Kindern mit und ohne Behinderung und kommt auch jenen zugute, die in ihrer sprachlichen Entwicklung zusätzliche Unterstützung benötigen.
Wir haben mit einfachen Begriffen begonnen,“ berichtet Stefanie Quadflieg, „zum Beispiel mit Begrüßungen wie “Guten Morgen, liebe Kinder!“ oder mit Gebärden rund um das Thema Wetter, also „Sonne, Regen, Wolke, Gewitter, warm oder kalt“.“ Die Gebärden werden gezielt eingesetzt, um einzelne Begriffe hervorzuheben. Auch im Tagesablauf sind die Gebärden hilfreich, etwa bei Routinen wie dem Aufräumen, Anziehen, Essen und Schlafen oder in Situationen in der Turnhalle und dem Garten. „Da wir in der Krippe ohnehin zu fast allen Liedern Bewegungen machen, haben wir begonnen, diese Bewegungen durch passende Gebärden zu ersetzen,“ ergänzt Stefanie Quadflieg. „Das macht nicht nur Spaß, sondern bietet gerade einem Kind mit Höreinschränkung eine wichtige visuelle Orientierung.“ Die Rückmeldungen aus der Kindergruppe sind durchweg positiv: Auch die anderen Kinder nutzen die Gebärden gerne, wiederholen sie im Alltag und erweitern so spielerisch ihren Wortschatz. „Wir stehen noch ganz am Anfang,“ sagt Stefanie Quadflieg offen. „Wir nutzen die Gebärden noch nicht so intensiv, wie wir es uns vorgenommen haben, merken aber, dass sie uns und den Kindern im Alltag sehr helfen. Auch für uns Fachkräfte ist das ein Lernprozess. Einer, der viel Freude bereitet.“, ergänzt sie mit einem Lächeln.
Auch in anderen Kitas von FortSchritt wird immer wieder mit Gebärdensprache gearbeitet. Die Kinder zeigen dabei stets großes Interesse und lernen auf spielerische Weise, dass Kommunikation neben der Lautsprache auch mit vielen anderen Ausdrucksformen stattfinden kann.
So machen wir kontinuierlich einen weiteren Schritt in Richtung gelebter Inklusion.
Hier ist übrigens die Gebärde für das Wort „Fortschritt“